Die vielerorts untragbare Wohnsituation für Studierende in Bayern zeigt, dass trotz bereits bestehender Fördermaßnahmen weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht. Der steigende Bedarf an sozialem Wohnraum, wie in der Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks dokumentiert, unterstreicht die Notwendigkeit, den sozialen Wohnungsbau als prioritäre Aufgabe auf allen politischen Ebenen zu verankern [1]. Langfristige, planbare Investitionen, wie vom HRK-Bericht 2023 empfohlen, sind entscheidend, um das Wohnraumangebot für Studierende nachhaltig zu erweitern und zu stabilisieren [2]. Studierende sind von der angespannten Wohnraumsituation in besonderem Maße betroffen, da sie häufig über geringe finanzielle Rücklagen verfügen, kurzfristig auf dem Wohnungsmarkt agieren müssen und zu einer der ärmsten Bevölkerungsgruppen in Deutschland gehören[1][10]. Die Auswahl des Studienortes darf nicht durch die Wohnungsfrage und die finanzielle Belastung durch Mieten beeinflusst werden. Um die langfristige Sicherung von bezahlbarem Wohnraum für Studierende zu gewährleisten, sind gezielte rechtliche Maßnahmen erforderlich, die Spekulationen im Immobilienmarkt, insbesondere im Bereich des studentischen und sozialen Wohnungsbaus, eindämmen.[22] Insbesondere in Städten wie München, wo die durchschnittliche Kaltmiete nach den Mietspiegeln im Jahr 2025bei 15,38 EUR/m² liegt, und Augsburg mit 14,73 EUR/m², wird die Dringlichkeit für bezahlbare studentische Mieten deutlich [11],[12]. Um langfristige Lösungen zu schaffen, sollten genossenschaftliche Modelle und studentische Initiativen durch gezielte Förderung und Unterstützung ausgebaut
werden. Hochschulen und Studierendenwerke können dabei ihre Expertise in der Entwicklung und Begleitung solcher Projekte einbringen, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten und Netzwerken, ohne direkt in die operative Umsetzung einzugreifen [7]. Um studierendengerechte Wohnkonzepte zu fördern, sollten Studierendenwerke und Vertreter der Studierendenschaft bereits im Planungsprozess eingebunden werden. So können praxisnahe und innovative Wohnkonzepte entstehen, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Studierenden eingehen und die Wohnsituation nachhaltig verbessern.
Ein spezifisches und dringend erforderliches Handlungsfeld zur Entschärfung der studentischen Wohnsituation ist die deutliche Erhöhung des Wohnheimangebots. Der MLP- Studentenwohnreport 2025 zeigt, dass in vielen Hochschulstädten der Zugang zu Wohnheimplätzen stark begrenzt ist, wobei die Mieten an den untersuchten Standorten im Dreijahresdurchschnitt jährlich um 4,6 % gestiegen sind [9]. Angesichts dieser Entwicklung ist es notwendig, den Ausbau von Wohnheimen gezielt zu fördern, um die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage zu verringern. Die bisherigen Maßnahmen der Staatsregierung zur Unterstützung des studentischen Wohnens sind ein äußerst notwendiger, jedoch bei Weitem nicht ausreichender Schritt, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden[23]. Es bedarf einer verstärkten und koordinierten Zusammenarbeit zwischen Kommunal‑, Landes- und Bundesebene, um dieses Problem erfolgreich und zeitnah anzugehen. Neben der Quantität des Wohnraumangebots ist die Entwicklung nachhaltiger Wohnmodelle von entscheidender Bedeutung. Investitionen in klima- und ressourcenschonende Wohnprojekte sind notwendig, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der sowohl ökologischen als auch sozialen Anforderungen entspricht. Die Projekte müssen sich dabei gegenseitig ergänzen und die verschiedenen Ebenen müssen kooperativ nach effizienten Lösungen suchen. Konkrete Maßnahmen zur Entlastung des studentischen Wohnungsmarktes umfassen die Bereitstellung von Fördermitteln, den Abbau bürokratischer Hürden und die Nutzung öffentlicher Flächen für den Bau neuer Wohnheime. Auch die Politik ist gefordert, die
Bedingungen für den Wohnungsbau insgesamt zu verbessern, etwa durch die vermehrte Ausweisung von Bauland mit Verpflichtungen zum baldigen Baustart an Hochschulstandorten.
Zusätzlich sind Aufklärung und Bewusstseinsbildung entscheidend, um Studierende und die Öffentlichkeit über die Bedeutung von sozialem und genossenschaftlichem Wohnungsbau zu informieren. Durch gezielte Kampagnen kann die Dringlichkeit des Themas verdeutlicht und die Unterstützung für die notwendigen Maßnahmen gesteigert werden. Bereits bestehende Programme wie „Junges Wohnen“ oder die Förderung von Mietwohnraum für Studierende in Bayern sind ein Schritt in die richtige Richtung, doch es bedarf weiterer Anstrengungen um die spezifischen Bedürfnisse der Studierenden besser zu unterstützen. Nur durch diese umfassenden und koordinierten Anstrengungen kann eine spürbare Entlastung der Wohnsituation für alle Bewohner*innen erreicht werden.[13] Als zweite tragende Säule neben dem Neubau studentischer Wohnanlagen soll die Landesregierung verstärkt auf die Sanierung und die kontinuierliche Instandhaltung der bestehenden Wohnheime setzen. Durch rechtzeitige Instandhaltungsmaßnahmen also Eingriffe, die den laufenden Betrieb möglichst wenig beeinträchtigen, zum Erhalt der Bausubstanz können langfristige Komplettsperrungen ganzer Wohnheime verhindert, anständige Wohnkonditionen sichergestellt und Kernsanierungen verzögert werden. Sanierungen bieten zahlreiche Vorteile, die sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer nachhaltigen Wohnraumpolitik machen. Sanierungen sind häufig kostengünstiger als Ersatzneubauten, da bestehende Gebäudestrukturen weitergenutzt werden können und weniger Ressourcenverbrauch verursachen. [20] Dadurch können mit denselben finanziellen Mitteln mehr Wohnheime verbessert und modernisiert werden. Zudem lassen sich Sanierungen, insbesondere minimalinvasive Maßnahmen, wesentlich schneller umsetzen als Neubauten, die lange Planungs- und Genehmigungsphasen erfordern. Sanierungen sollen bevorzugt werden, wenn sie ökonomisch und ökologisch sinnvoller sind als Neubauten. Gleichzeitig leisten
Sanierungen einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit, da der größte CO₂-Ausstoß im Bauwesen durch Abriss und Neubau verursacht wird. Der Erhalt und die Modernisierung bestehender Gebäude sparen daher erhebliche Mengen an grauer Energie ein und unterstützen eine klimafreundliche Hochschulpolitik [20]. Darüber hinaus verhindern regelmäßige Instandhaltungen Zwangsumzüge, die entstehen, wenn Wohnheime aufgrund von Sanierungsstau vollständig geschlossen werden müssen – ein Szenario, das insbesondere in Städten wie München für Studierende kaum zu bewältigen ist. Dies führt zu einer zeitnahen Entlastung des Wohnungsmarktes und verhindert, dass Studierende über längere Zeiträume ohne bezahlbaren Wohnraum dastehen. Schließlich tragen Sanierungen dazu bei, Mietpreise planbar und stabil zu halten, während Neubauten aufgrund hoher Baukosten oft zu deutlich höheren Mieten führen, die für Studierende kaum tragbar sind. Sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen müssen verbindliche Nachhaltigkeitsstandards eingehalten werden. Dazu gehören praktikable und ausreichend dimensionierte Mülltrennsysteme, die Prüfung und – wo möglich – Installation von Photovoltaikanlagen sowie die Schaffung begrünter Außenflächen und Gartenprojekte. Auch die Weltgesundheitsorganisation betont, dass solche Grünflächen das Mikroklima verbessern, Hitzeinseln reduzieren, die Aufenthaltsqualität erhöhen und positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben [16][17][18][19]. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu nachhaltigem Bauen und zu einem gesunden Wohnumfeld für Studierende. Abschließend lässt sich festhalten, dass die Wohnsituation für Studierende in Bayern einer dringenden Verbesserung bedarf. Deshalb ist es notwendig, dass die Landesregierung das Thema auf mehreren Ebenen gleichzeitig adressiert und die besonderen Bedürfnisse von Studierenden berücksichtigt. Mit gezielten Maßnahmen, verstärkter Zusammenarbeit und langfristigen Investitionen können wir eine stabile und bezahlbare Wohnsituation schaffen, die den Bedürfnissen der Studierenden gerecht wird. Jetzt gilt es, konkrete Schritte zu unternehmen, um die Lebens- und Studienbedingungen nachhaltig zu verbessern und den Wohnungsmarkt zukunftssicher zu gestalten.
Literatur:
[1] M. Kroher u. a., „Die Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung“,
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Referat Hochschul- und
Wissenschaftsforschung, Berlin, Mai 2023. Zugegriffen: 16. August 2024. [Online].
Verfügbar unter:
https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/de/bmbf/4/31790_22_Sozialerhebung_2021.p
df?__blob=publicationFile&v=12
[2] Hochschulrektorenkonferenz, „Entschließung des Senats der HRK: Gute
Rahmenbedingungen für Studium und Lehre“, Hochschulrektorenkonferenz, März 2021.
[5] A. M. Schröter, „Mietspiegel München: Datenerhebung erstmals mit
Auskunftspflicht“, BR24. Zugegriffen: 16. August 2024. [Online]. Verfügbar unter:
https://www.br.de/nachrichten/bayern/mietspiegel-muenchen-datenerhebung-erstmals-mit-
auskunftspflicht,Tzpi0Kp
[6] Mietspiegeltabelle.de, „Mietspiegel Bayern“, Mietspiegeltabelle.de. Zugegriffen:
16. August 2024. [Online]. Verfügbar unter:
https://mietspiegeltabelle.de/mietspiegel-bayern/
[7] Y. Franz und E. Gruber, „The Changing Role of Student Housing as Social
Infrastructure“, Urban Planning, Bd. 7, Nr. 4, Nov. 2022, doi: 10.17645/up.v7i4.5661.
[8] MLP Finanzberatung SE, „MLP Studentenwohnreport 2023“, MLP Finanzberatung SE,
2023.
[9] MLP Studentenwohnreport 2025 — Institut der deutschen Wirtschaft (IW):
[10] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_N044_62.html
[11] Mietspiegel München 2026: Aktuelle Mietpreise — ImmoScout24
[12] Mietspiegel Augsburg
[13] DSW: “Das soziale Fundament des Hochschulsystems stärken” Eckpunkte des
Deutschen Studierendenwerks zur Bundestagswahl 2025 (4.12.2024)
[16] Urban green spaces and health
[17] Wenn Natur nicht nur erholt, sondern auch stärkt | Max-Planck-Gesellschaft
[18] Ohne Mülltrennung kein Recycling | Umweltbundesamt
[19] Mehr Photovoltaikanlagen auf staatlichen Dächern — Bayerisches Staatsministerium
für Wohnen, Bau und Verkehr
[20] Studie zu Maßnahmen für kostengünstig-nachhaltigen Wohnraum
[21] https://worldgbc.org/article/bringing-embodied-carbon-upfront/
[22] Spekulation mit Wohnraum: Eigentümer warnen vor „Denunziantentum“
[23] DSW: ” Infrastruktur endlich sanieren und modernisieren: Das soziale Fundament
des Hochschulsystems stärken ”
https://www.studierendenwerke.de/beitrag/infrastruktur-endlich-sanieren-und-
modernisieren-das-soziale-fundament-des-hochschulsystems-staerken(4.12.2025)
[9] MLP Finanzberatung SE und Institut der deutschen Wirtschaft (IW), „MLP
Studentenwohnreport 2025“, Heidelberg/Köln, 2025. Zugegriffen: 4. September 2026.
[Online]. Verfügbar unter: MLP Studentenwohnreport 2025 — Institut der deutschen
Wirtschaft (IW)
[10] Statistisches Bundesamt (Destatis), „Studierende wohnen häufiger zur Miete und
verfügen über geringeres Einkommen als die Gesamtbevölkerung“, Pressemitteilung Nr.
N044 vom 15. August 2024. Zugegriffen: 4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter:
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_N044_62.html
[11] ImmoScout24, „Mietspiegel München 2026: Aktuelle Mietpreise“. Zugegriffen: 4.
September 2026. [Online]. Verfügbar unter: Mietspiegel München 2026: Aktuelle
Mietpreise — ImmoScout24
[12] Mietspiegeltabelle.de, „Mietspiegel Augsburg“. Zugegriffen: 4. September 2026.
[Online]. Verfügbar unter: https://mietspiegeltabelle.de/mietspiegel-augsburg/
[13] Deutsches Studierendenwerk (DSW), „Das soziale Fundament des Hochschulsystems
stärken: Eckpunkte des Deutschen Studierendenwerks zur Bundestagswahl 2025“, 4.
Dezember 2024. Zugegriffen: 4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter: DSW: “Das
soziale Fundament des Hochschulsystems stärken” Eckpunkte des Deutschen
Studierendenwerks zur Bundestagswahl 2025
[14] Süddeutsche Zeitung, „Mängel und Schimmel im Wohnheim: Wie geht es weiter in der
Münchner Studentenstadt?“. Zugegriffen: 4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter:
Mängel und Schimmel im Wohnheim: Wie geht es weiter in der Münchner Studentenstadt? -
München — SZ.de
[15] DER SPIEGEL, „Berlin: Sanierungsbedarf zwingt Studierende zum Auszug aus
Wohnheim“. Zugegriffen: 4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter: Berlin:
Sanierungsbedarf zwingt Studierende zum Auszug aus Wohnheim — DER SPIEGEL
[16] World Health Organization (WHO), „Urban green spaces and health: A review of
evidence“. Kopenhagen, WHO Regional Office for Europe, 2016. Zugegriffen: 4.
September 2026. [Online]. Verfügbar unter: Urban green spaces and health
[17] Max-Planck-Gesellschaft, „Wenn Natur nicht nur erholt, sondern auch stärkt“.
Zugegriffen: 4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter:
https://www.mpg.de/26890379/wenn-natur-nicht-nur-erholt-sondern-auch-staerkt
[18] Umweltbundesamt (UBA), „Ohne Mülltrennung kein Recycling“. Zugegriffen: 4.
September 2026. [Online]. Verfügbar unter: Ohne Mülltrennung kein Recycling
|Umweltbundesamt
[19] Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, „Mehr
Photovoltaikanlagen auf staatlichen Dächern“. Zugegriffen: 4. September 2026.
[Online]. Verfügbar unter: Mehr Photovoltaikanlagen auf staatlichen Dächern -
Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
[20] „Studie zu Maßnahmen für kostengünstig-nachhaltigen Wohnraum“. Zugegriffen: 4.
September 2026. [Online] Verfügbar unter: Studie zu Maßnahmen für kostengünstig-
nachhaltigen Wohnraum
[21] World Green Building Council, „Bringing Embodied Carbon Upfront“. Zugegriffen:
4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://worldgbc.org/article/bringing-
embodied-carbon-upfront/
[22] „Spekulation mit Wohnraum: Eigentümer warnen vor ‚Denunziantentum‘“.
Zugegriffen: 4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter: Spekulation mit Wohnraum:
Eigentümer warnen vor „Denunziantentum“
[23] Deutsches Studierendenwerk (DSW), „Infrastruktur endlich sanieren und
modernisieren: Das soziale Fundament des Hochschulsystems stärken“, 4. Dezember 2025.
Zugegriffen: 4. September 2026. [Online]. Verfügbar unter:
https://www.studierendenwerke.de/beitrag/infrastruktur-endlich-sanieren-und-
modernisieren-das-soziale-fundament-des-hochschulsystems-staerken