Das deutsche Bildungssystem lebt von dem Grundsatz, dass jede Person unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihrer finanziellen Möglichkeiten ein Studium aufnehmen und erfolgreich abschließen kann. Damit dieser Grundsatz gewahrt werden kann, ist eine echte BAföG-Reform dringend notwendig. Um den Fachkräftenachwuchs und damit langfristig den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft Deutschlands aufrechtzuerhalten, fordert der BayStuRa ein effektives BaföG auf existenzsicherndem Niveau.
„Studieren darf kein finanzielles Risiko sein. Das BAföG muss endlich so gestaltet werden, dass es mit den Lebenshaltungskosten Schritt hält – nicht erst, wenn der Druck zu groß wird. Wer auf Förderung angewiesen ist, braucht Verlässlichkeit: Ein System, das automatisch mit der Inflation steigt und existenzsichernd bleibt“, so Jakob Sehrig, Sprecher des BayStuRa.
Isabella Hennessen, Sprecherin des BayStuRa, macht deutlich, dass auch die Höhe der Wohnpauschale bei Weitem nicht ausreiche: „Ein WG-Zimmer kostet im bundesweiten Durchschnitt 489€ — die Pauschale beträgt jedoch nur 380€. Für Studierende in Ballungsräumen wie München — hier beträgt die Miete für ein WG-Zimmer laut einer Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts durchschnittlich 790€ – ist die Situation noch verheerender.“
Die meisten Studierenden benötigen für ihr Studium mehr Zeit als die geplante Regelstudienzeit. Die Einführung eines Flexisemesters war zwar ein Schritt in die richtige Richtung, stellt aber einen behördlichen Aufwand dar und Studierende vor die schwierige Frage, ob sie dieses im Bachelor- oder im Masterstudium beantragen. „Um Chancengleichheit zu verbessern, dürfen Studierende, die BaföG beziehen, nicht unter erhöhten Druck gestellt werden, ihr Studium abzuschließen. Wir fordern daher die unbürokratische Möglichkeit, BaföG für die Dauer der Regelstudienzeit plus zwei weitere Semester zu beantragen“, so Nils Weber, Sprecher des BayStuRa.
„Ebenso muss eine Reform der Rückzahlungsmodalitäten angestrebt werden – der Staat will keine Schulden machen, Studierende, die ins Berufsleben starten, ebenso wenig“, geben die zukünftigen Sprecher*innen Mona Dirmaier, Lukas Strutz und Annika Wintersberger zu bedenken. Um ein Studium für alle, die es möchten und dafür geeignet sind, zu ermöglichen, ist eine echte Reform dringend notwendig und muss Inhalt von Koalitionsverhandlungen werden. „Denn Studienabbrüche aufgrund finanzieller Engpässe will – und kann – sich unsere Gesellschaft und insbesondere unser Arbeitsmarkt nicht leisten“, betonen die amtierenden Sprecher*innen des BayStuRa.