Chancen statt Einschränkungen – Studentische Leitlinien zur Profil- und Konzentrationsstrategie

BESCHLUSS

Im Zuge der laufend­en strate­gis­chen Über­legun­gen zur Weit­er­en­twick­lung der bay­erischen Hochschul­land­schaft und der geplanten Pro­fil- und Konzen­tra­tionsstrate­gie (PuK) spricht dieser Beschluss die grundle­gen­den Anforderun­gen aus Sicht der Studieren­den in Bay­ern an. Ziel ist es, eine zukun­fts­fähige Hochschu­len­twick­lung zu sich­ern, die wis­senschaftliche Qual­ität, soziale Gerechtigkeit und die Vielfalt des Hochschul­sys­tems gewährleis­tet.

 Sicherung von Vielfalt und Schutz klein­er Fäch­er

  • Die Vielfalt der bay­erischen Hochschul­land­schaft ist ein wis­senschaftlich­er und kul­tureller Wert. Pro­fil­bil­dung darf daher nicht primär durch wirtschaftliche Ver­w­ert­barkeit oder kurzfristige Bedarf­s­la­gen ges­teuert wer­den.
  • Wichtig ist der Schutz auch klein­er und grund­lagenori­en­tiert­er Fäch­er, sowie die Sicherung freier Forschungs- und Lehren­twick­lung ohne externe, wirtschaftlich-poli­tis­che Pri­or­isierung. Eben­so sind kleine und spezial­isierte Stu­di­engänge, geistes- und kul­tur­wis­senschaftliche Fäch­er sowie lehramt­srel­e­vante Diszi­plinen expliz­it zu schützen.
  • Es muss weit­er­hin auch die Möglichkeit geben an ein­er Hochschule inter­diszi­plinär zu studieren und zu forschen. Dazu müssen auch Vol­lu­ni­ver­sitäten erhal­ten bleiben.
  • Hochschulen sollen in ihrer Entwick­lung so unter­stützt wer­den, dass beste­hende fach­liche Stärken gezielt aus­ge­baut und weit­er­en­twick­elt wer­den, während gle­ichzeit­ig jene Fach­bere­iche gefördert wer­den, in denen die jew­eilige Hochschule nach­weis­lich einen beson­deren wis­senschaftlichen, gesellschaftlichen oder regionalen Mehrw­ert erbringt.
  • Im Rah­men von Konzen­tra­tions­maß­nah­men müssen die Wahlmöglichkeit­en inner­halb der Stu­di­engänge beachtet wer­den, um Ver­luste von Inter­diszi­pli­nar­ität zu begren­zen.

 Regionale Aus­ge­wogen­heit und Sicherung gle­ich­w­er­tiger Stu­di­en­möglichkeit­en

  • Für alle Studieren­den in Bay­ern müssen gle­ich­w­er­tige und zugängliche Stu­di­enbe­din­gun­gen beste­hen bleiben. Hochschulen im ländlichen Raum müssen als Teil der regionalen Infra­struk­tur gesichert und gestärkt wer­den.
  • Ver­lagerun­gen von Stu­di­en­ange­boten in Bal­lungszen­tren dür­fen nicht zur Ver­schär­fung beste­hen­der Wohn­raum- und Mobil­ität­sprob­lematiken führen. Um Studierende keines­falls zu einem Hochschul­wech­sel oder zu unver­hält­nis­mäßi­gen Pen­delzeit­en zu zwin­gen und regionale Chan­cen­gle­ich­heit zu erhal­ten, muss ein bre­ites Ange­bot an grund­ständi­gen Stu­di­engän­gen in der Fläche sichergestellt wer­den.
  • Sie dür­fen Studierende keines­falls zu einem Hochschul­wech­sel oder zu erhöhter Mobil­ität zwin­gen. Daher ist ein bre­ites Ange­bot an grund­ständi­gen Stu­di­engän­gen in der Fläche zu gewährleis­ten, um regionale Chan­cen­gle­ich­heit und gesellschaftliche Ver­sorgung sicherzustellen.
  • PuK muss als Chance ver­standen wer­den, Hochschulen außer­halb von Bal­lungszen­tren in ihren Pro­filen zu exzel­len­ten Hochschulen weit­erzuen­twick­eln und zu etablieren, sodass die damit ver­bun­de­nen Stan­dortvorteile, wie z.B. geringe Leben­shal­tungskosten, die Nachteile wie z.B. weniger aus­ge­bauter ÖPNV, über­wiegen. Nur auf diese Weise kön­nen regionale Hochschulen eine echte Alter­na­tive zu Hochschulen in Bal­lungszen­tren darstellen und PuK seine Chan­cen und Möglichkeit­en ent­fal­ten.
  • Regionale Beson­der­heit­en — etwa beste­hende Forschungsnet­zw­erke, Koop­er­a­tio­nen mit Unternehmen oder fach­liche Tra­di­tio­nen – sind als Entschei­dungs­grund­lage zu berück­sichti­gen.
  • Pro­fil­bil­dung darf ins­beson­dere auch keine Monop­o­lisierung einzel­ner Wis­sens­bere­iche an einzel­nen Stan­dorten erzeu­gen.

 Qual­ität von Lehre und Studier­barkeit

  • Um wis­senschaftliche und päd­a­gogis­che Qual­ität zu gewährleis­ten, sind sta­bile Rah­menbe­din­gun­gen uner­lässlich. Es bedarf daher ein­er dauer­haft auskömm­lichen Grund­fi­nanzierung aller Hochschulen und nach­haltige Investi­tio­nen in Per­son­al, Infra­struk­tur, Dig­i­tal­ität und Betreu­ung.
  • Lehrqual­ität, Betreu­ungsre­la­tio­nen und didak­tis­che Weit­er­en­twick­lung müssen dem­nach zen­trale Kri­te­rien der PuK sein.
  • The­ma­tisch bre­it gefasste Bach­e­lor­pro­gramme und stärk­er spezial­isierte Mas­ter­pro­gramme kön­nen sin­nvoll sein, dür­fen jedoch nicht schema­tisch aufer­legt wer­den.
  • Refor­m­maß­nah­men müssen ver­lässliche Pla­nungssicher­heit bieten, sodass die Stu­di­enbe­din­gun­gen für alle Studieren­den zuver­läs­sig gewährleis­tet bleiben und keine unvorherge­se­henen struk­turellen Risiken oder Belas­tun­gen auf sie über­tra­gen wer­den. Ins­beson­dere dür­fen Stu­di­engänge nicht plöt­zlich abgeschafft wer­den, obwohl er noch von Studieren­den studiert wird.
  • Ver­fahren zum Stu­di­en­gangswech­sel, zur Anerken­nung von Leis­tun­gen und zur Durch­läs­sigkeit zwis­chen Hochschu­larten sind zu vere­in­fachen, zu stan­dar­d­isieren und zu beschle­u­ni­gen, um ins­beson­dere einen rei­bungslosen Wech­sel zwis­chen Hochschulen und post­grad­ualen Stu­di­engän­gen zu ermöglichen und unnötige Verzögerun­gen oder organ­isatorische Hür­den zu ver­mei­den.
  • Ein rei­bungslos­er Wech­sel ist in der Konzep­tion von Stu­di­engän­gen zu bedenken. Hin­der­lich sind hier ins­beson­dere ver­schiedene ECTS-Größen bei Grund­la­gen­mod­ulen.
  • Die Anzahl der Studieren­den darf die Kapaz­itäten der Hochschule, ins­beson­dere Ver­wal­tung, Lehrper­son­al und Räum­lichkeit­en für Lehre und Ler­nen nicht über­stra­pazieren, da bei zu großen Kohort­en die Qual­ität der Lehre lei­det.

 Koop­er­a­tion statt Zen­tral­isierung

  • Die Weit­er­en­twick­lung der Hochschul­land­schaft soll primär auf Koop­er­a­tio­nen, Ver­bund­struk­turen und regionalen Clus­tern basieren statt auf Ange­bot­sre­duk­tion oder Stan­dortkonzen­tra­tion.
  • Gemein­same Stu­di­engänge, Ver­bund­pro­fes­suren, Forschungsnet­zw­erke und geteilte Lehrange­bote kön­nen sin­nvoll sein, wenn lokale Präsen­z­for­mate erhal­ten bleiben.
  • Dig­i­tale Lehrange­bote kön­nen die Studier­barkeit und Flex­i­bil­ität erhöhen; sie dür­fen jedoch nicht als Ersatz für reg­uläre Präsen­zs­tu­di­engänge dienen, son­dern nur ergänzend einge­set­zt wer­den. Dig­i­tale Lehrange­bote erset­zen keine eigen­ständi­ge lokale Lehre!

 Beteili­gung und Trans­parenz

  • Entschei­dun­gen und Pla­nungss­chritte zur Pro­fil- und Konzen­tra­tions­bil­dung sind trans­par­ent an die gesamte Hochschul­ge­mein­schaft zu kom­mu­nizieren und wis­senschaftlich zu begrün­den. Dabei sind ins­beson­dere Entschei­dungs­grund­la­gen, Bew­er­tungs­maßstäbe und Kri­te­rien zur Mit­telverteilung offen­zule­gen.
  • Studierende und Stu­di­en­gangsver­ant­wortliche müssen in allen Schrit­ten des Prozess­es beteiligt wer­den. Dazu ist eine verbindliche, frühzeit­ige und sub­stanzielle Beteili­gung der Studieren­den­vertre­tun­gen in allen rel­e­van­ten Pla­nungss­chrit­ten erforder­lich.

 Abschließende Posi­tion

Eine Weit­er­en­twick­lung der bay­erischen Hochschul­land­schaft kann nur dann gelin­gen, wenn sie qual­i­ta­tiv, sozial verträglich, trans­par­ent und langfristig tragfähig gestal­tet wird. Pro­fil­bil­dung darf nicht mit Kürzungspoli­tik gle­ichge­set­zt wer­den. Vielmehr muss sie Teil ein­er strate­gis­chen Weit­er­en­twick­lung sein, die sich an wis­senschaftlich­er Qual­ität, gesellschaftlichem Bedarf und stu­den­tis­ch­er Per­spek­tive ori­en­tiert.

Ziel muss stets eine starke, vielfältige, sozial gerechte und inter­na­tion­al sicht­bare Hochschul­land­schaft sein, die allen Studieren­den unab­hängig von Herkun­ft, Stan­dort und Fachrich­tung faire Voraus­set­zun­gen bietet. Denn eine Hochschu­len­twick­lung, die wis­senschaftliche Vielfalt, demokratis­che Beteili­gung, soziale Gerechtigkeit und langfristige Sta­bil­ität sichert, ist Voraus­set­zung für ein leis­tungs­fähiges, freies und zukun­fts­fähiges Bil­dungssys­tem.

Als Studierende freuen wir uns auf einen ver­ant­wor­tungsvoll, dial­o­gori­en­tiert und im Sinne ein­er zukun­fts­fähi­gen Bil­dungspoli­tik gestal­teten Prozess!

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