Egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto, dem Motorrad oder mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): Studieren ist immer mit Mobilitätsanforderungen verbunden. Wie und ob Studierende in Bayern zu Hörsälen, Seminarräumen, Bibliotheken und Laboren gelangen, bestimmt wie gut und gerne in Bayern studiert wird. Ein attraktiver Hochschulstandort erfordert daher Mobilitätskonzepte, die der Lebensrealität der Studierenden entsprechen: bezahlbar, krisenfest, barrierefrei und rund um die Uhr verlässlich. Um dies sicherzustellen, fordern wir die schnelle Umsetzung der folgenden Maßnahmen:
Studi-Tickets im ÖPNV
Der ÖPNV spielt für die studentische Mobilität eine zentrale Rolle. Da Hochschulstandorte oft über ganze Städte verteilt sind, stoßen Fußweg und Fahrrad schnell an ihre Grenzen. Eine zuverlässige ÖPNV-Anbindung ist daher essenziell, um effizient zwischen Wohnort und Hochschulstandort(en) zu pendeln. Je nach Standort nutzen bis zu drei von vier Studierenden den Nahverkehr [Q1]. Ein zentraler Eckpfeiler für diese Mobilität ist das vom Freistaat bezuschusste Bayerische Ermäßigungsticket, das als vergünstigtes Deutschlandticket allen Studierenden seit dem Wintersemester 2023 zur Verfügung steht. Auf diesem Erfolg möchten wir mit einem Optimierungspaket für das Ermäßigungsticket gemeinsam aufbauen.
1. Dauerhafte Sicherstellung des Bayerischen Ermäßigungstickets
Wir fordern vom Freistaat Bayern, das Ermäßigungsticket als integralen Bestandteil studentischer Lebensqualität dauerhaft auch über das Jahr 2027 hinaus abzusichern. Ziel muss sein, das Ticket unabhängig von kurzfristigen Haushaltsentscheidungen und bundesweiten Preisdynamiken beim Deutschlandticket als langfristige verlässliche finanzielle Konstante im Leben der bayerischen Studierenden zu betrachten. Insbesondere soll sich der Freistaat Bayern dafür einsetzen, dass für uns Studierende die Preise nicht steigen. Nur so leistet der Freistaat auch in Zukunft einen entscheidenden Beitrag zur finanziellen Entlastung der Studierenden zum Thema Mobilität und stärkt nachhaltig die Attraktivität des Hochschulstandorts Bayern.
2. Preiserhöhungen beim Ermäßigungsticket gemeinsam schultern
Um die Attraktivität und soziale Ausgewogenheit des Tickets langfristig zu erhalten, soll der staatliche Zuschuss vom bisherigen fixen Betrag von 20 Euro festen Prozentsatz von 40 % des jeweils gültigen Deutschlandticket-Preises umgestellt werden. Die Dringlichkeit dieser Anpassung wird durch einen Blick auf die Kostenentwicklung verdeutlicht: In weniger als drei Jahren seit Einführung hat sich das Ticket um fast 50 % verteuert. Im selben Zeitraum stieg der Mindestlohn lediglich um 16 % und der BAföG-Grundbedarf sogar nur um 5 %. Diese wachsende Diskrepanz führt dazu, dass das Ticket für Studierende trotz der Unterstützung durch die Staatsregierung zunehmend zur finanziellen Belastung wird. Um diese zunehmende Belastung nachhaltig aufzufangen, ist eine prozentuale Dynamisierung des Zuschusses der konsequente nächste Schritt. Wenn die staatliche Entlastung mit künftigen Tarifsprüngen mitwächst, bleibt das bayerische Modell dauerhaft attraktiv. So wird sichergestellt, dass allgemeine Preiserhöhungen gemeinsam getragen und die bayerischen Studierenden nicht überproportional belastet werden.
3. Sicherung lokaler Semestermodelle
Der Fortbestand lokaler Semesterticket-Modelle an den einzelnen Hochschulstandorten ist zu garantieren. Diese bewährten Vereinbarungen zwischen studentischen Vertretungen, Studierendenwerken und Verkehrsverbünden dienen vielerorts als Grundlage für ein bedarfsgerechtes, solidarisch finanziertes Grundmobilitätsangebot, auf welches das Ermäßigungsticket nahtlos als Upgrade-Lösung aufgebucht werden kann.
4. Technische Weiterentwicklung vom Ermäßigungsticket
Um das Ermäßigungsticket an die technischen Standards des Deutschlandtickets anzugleichen, sind drei Weiterentwicklungen notwendig. Konkret fordern wir:
- Gleichwertigkeit der Ausgabemedien: Neben dem digitalen Handyticket muss eine gleichwertige, analoge Option dauerhaft verfügbar sein (etwa Chipkarte), um einen einseitigen App-Zwang zu verhindern und die Barrierefreiheit sowie Ausfallsicherheit im Studienalltag zu garantieren.
- Freie App-Wahl: Die Vertriebswege müssen plattformübergreifend geöffnet werden, damit Studierende ihr Ticket frei bei einem bayerischen Verkehrsunternehmen beziehen können. Dadurch sollen die ungleich gut umgesetzten Bestellprozesse durch Wettbewerb harmonisiert werden.
- Optimale Systemintegration: Der Export in gängige Wallet-Apps (wie Apple oder Google Wallet) muss ermöglicht werden, um den Ticketzugriff auch ohne Internetverbindung zu sichern. Das Ticket soll sich dabei dauerhaft hinterlegen und automatisch aktualisieren lassen, ohne dass eine monatliche manuelle Aktualisierung notwendig wird.
5. Großflächige ÖPNV-Ausfälle einheitlichen adressieren
Wir fordern krisenfeste Regelungen für großflächige Infrastrukturstörungen während der Vorlesungs- und Prüfungsphasen. Großwetterereignisse zeigen auf, dass der ÖPNV in Krisensituationen unzuverlässig oder komplett zum Erliegen kommen kann [Q4] [Q5]. Studierende dürfen dadurch keine akademischen Nachteile erleiden. Konkret plädieren wir für:
- Mehr Transparenz: Hochschulweit verbindliche und veröffentlichte Regelungen zum Umgang mit Prüfungen und Anwesenheitspflichten.
- Kulanz: Eine verlässliche und faire Kulanzregelung bei witterungs- oder streikbedingten Verspätungen.
- Ersatzleistungen: Unkomplizierte Ummeldeverfahren und alternative Termine für Prüfungen und Praktika bei objektiver Unzumutbarkeit der Anreise.
- Digitale Ausweichformate: Bereitstellung von Remote-Angeboten für Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht.
- Proaktive Information: Eine frühzeitige und klare Kommunikation der Hochschulleitung zur aktuellen Krisenlage.
- Universalität: Diese Mindeststandards sollen durch eine gemeinsame Absichtserklärung von Ministerium und Hochschulleitungen abgesichert werden.
Campusmobilität
Campusmobilität umfasst die Wegekette zum, vom und auf dem Campus. Dies umschließt ausdrücklich den öffentlichen Personenverkehr, das Fahrrad, PKWs und auch den Weg zu Fuß. 28 % [Q2] der Studierenden pendeln dabei sogar 25 Kilometer oder mehr. Für sie wird nachhaltige Mobilität vor allem durch eine leistungsfähige Kombination aus öffentlichem Nahverkehr, Fahrradnutzung und entsprechenden Schnittstellen zwischen allen Verkehrsmitteln realistisch. Ohne präzise aufeinander abgestimmte Verkehrsangebote entstehen unnötige Probleme für Studierende, die in Teilen leicht zu lösen wären.
1. Verbesserte Anbindung aller Hochschulstandorte
Eine verbesserte Anbindung aller Lernorte – besonders an den Campi und mit diesen zusammenhängenden Orten – wie z. B. Unikliniken, Bibliotheken, Mensen – ist essenziell für die Studierenden. Dafür braucht es abgestimmte Umsteigeketten und eine Anbindung, die sich an realen Studienabläufen orientiert (Vorlesungsbeginn, Prüfungszeiten, Arbeitszeiten) sowie Verbindungen zwischen weit verteilten Campi. Wir schlagen mindestens jährliche Gespräche zwischen studentischen Vertreter*innen und Verkehrsanbietern vor, um zu prüfen, ob es Bedarf an allgemeinen Linienanpassungen, Haltestellenverlegungen und Anpassungen der Fahrplantaktungen gibt. Durch einen intensiveren Austausch können Verkehrsverbünde die Rückmeldungen von studentischen Vertreter*innen zielgerichtet für Fahrplanänderungen einholen, um ihr Angebot und damit die Attraktivität des eigenen ÖPNV-Angebots zu steigern.
2. Teilhabe und Mobilität zwischen Lehrveranstaltungen optimieren
Wir fordern außerdem Maßnahmen, die realistisch die Teilnahme an Lehrveranstaltungen an verschiedenen Standorten ermöglichen. Wenn Lehrpläne standortübergreifende Teilnahme erfordern, sollen Hochschulen auf hybride Teilnahmeoptionen achten, die Machbarkeit und Zumutbarkeit der Standortwechsel im Hinblick auf die Zeiten zwischen den Vorlesungen sowie den zeitlichen Gesamtbedarf für die Wechsel, besonders auch die zeitliche Machbarkeit für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sicherstellen und darauf achten, dass trotz Standortwechsel eine ausreichende Zeit für die Mittagspause bleibt
3. Verlässliche ÖPNV-Mobilität bis in den späten Abend
Wir fordern eine verlässliche Erreichbarkeit der Hochschulräumlichkeiten mittels ÖPNV bis in die späten Abendstunden. Ein Studium endet nicht um 18 Uhr: Lernen in der Bibliothek, Gremienarbeit, Laborzeiten und hochschulübergreifende Lehrformate setzen verlässliche Rückwege voraus. Oftmals kann das bisherige ÖPNV-Angebot hier abends nicht mithalten. Insbesondere in den Prüfungsphasen nutzen viele Studierende die Lernmöglichkeiten auf dem Campus bis tief in die Nacht. Deshalb fordern wir eine bedarfsgerechte Taktung und Erreichbarkeit auch außerhalb der regulären Vorlesungszeiten.
4. Barrierefreiheit und Inklusivität als Mindeststandard
Wir erwarten, dass Barrierefreiheit und Inklusivität als verbindlicher Mindeststandard in der Campusplanung verankert werden. Nur durch stufenfreie, ebene Routen, funktionierende Aufzüge und eine verlässliche Beschilderung wird die Fortbewegung nicht zu einem weiteren Hindernis – ein essenzieller Beitrag zur chancengleichen Bildung. Dabei dürfen diese barrierefreien Verbindungen gegenüber regulären Wegen keinen signifikanten zeitlichen Mehraufwand verursachen.
5. Verkehrssicherheit
Für einen sicheren Weg braucht es beleuchtete Hauptverbindungen, klare Wegweisung zu und am Campus, konfliktarme Führung zwischen Fuß- und Radströmen sowie konsequente Winterdienste auf den relevanten Hauptverbindungen zum Campus, als auch auf diesem. Hochschulen, Städte und Gemeinden tragen eine besondere Verantwortung für Verkehrssicherheit auf dem Weg zur Hochschule sowie auf dem Campus.
6. Den PKW in die Campusstrategie einbeziehen
Für eine klimafreundliche Anreise müssen Park-and-Ride-Angebote ausgebaut werden, um den Umstieg auf den ÖPNV zu erleichtern. An Standorten mit unzureichender Anbindung ist mittelfristig eine ausreichende Zahl an Parkplätzen explizit für Studierende sicherzustellen, wobei Dauerparken konsequent unterbunden werden muss. Zur Reduktion des Individualverkehrs fordern wir zudem die Förderung von Fahrgemeinschafts-Modellen (z. B. via Campus-Apps) sowie die Etablierung moderner Mobility Hubs, um verschiedene Verkehrsmittel nahtlos am Campus zu vernetzen.
7. Frühzeitige Planung bei neuen Hochschulstandorten
Auch bei der Planung von Campi muss bereits Mobilität mitgedacht werden. Hierzu gehören der Weg zur Hochschule sowie der Weg zwischen einzelnen Hochschulstandorten als auch am Campus. Eine gute Erreichbarkeit von Bibliothek und Mensa, verlässliche Mobilität auch abends und am Wochenende sowie Barrierefreiheit müssen eingeplant werden.
Fahrradmobilität
Insgesamt bewegen sich über 40 % des motorisierten Individualverkehrs in Bayern im 5‑Kilometerbereich [Q6] — einer Entfernung, für die Fahrräder fast immer die schnellere, günstigere und gesündere Wahl sind. Damit Studierende jedoch dauerhaft und auch bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit wechseln, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen.
1. Fahrradinfrastruktur am Campus
Die Bereitschaft, mit dem Rad zur Hochschule zu pendeln, steht und fällt mit sicheren Wegen und hochwertigen Abstellanlagen. Wir fordern daher konkret:
- Sichere Abstellanlagen: Bei Fahrradständern soll darauf geachtet werden, dass diese fest verankert, beleuchtet und überdacht sind. An Standorten mit hohem Diebstahlrisiko sollte ergänzend Videoüberwachung mit klar definierten Speicherfristen und transparenter Zweckbindung geprüft werden
- E‑Mobilität & Lastenräder: Es müssen ausreichend Stellplätze für Lastenräder sowie Lademöglichkeiten für Pedelecs geschaffen werden.
- Wetterfestes Pendeln: Um die Attraktivität für längere, anstrengende Pendelwege und insbesondere auch für wetterunabhängiges Pendeln zu erhöhen, braucht es Dusch-/ Umkleidemöglichkeiten vor Ort. Als auch Spinde und Schließfächer für die sichere Lagerung von beispielsweise Helmen und Regen-/Ersatzkleidung.
- Reparatur-Infrastruktur: Hochschulen sollen frei zugängliche Reparaturstationen mit kostenlosem Werkzeug bereitstellen. Eine Anbindung an studentische Repair-Cafés, die praktisches Wissen vermitteln, ist hierbei ideal.
- Campus-Logistik: Um die Organisation von Veranstaltungen am Campus zu unterstützen und Zeit und Geld für (Leih-)KFZ einzusparen, ist eine kostenlose Leihmöglichkeit von (Cargo-)Pedelecs wünschenswert.
2. Mit dem Rad zur Hochschule
Der Weg zur Hochschule muss real und gefühlt sicher sowie einfach navigierbar sein. Dafür braucht es eine bauliche Trennung vom motorisierten Verkehr, ausreichend breite und im Winter zuverlässig geräumte Fahrradwege sowie eine gute Beleuchtung bei Nacht und Dämmerung. Zudem fordern wir strengere Kontrollen, um die tatsächliche Befahrbarkeit der Fahrradinfrastruktur dauerhaft zu gewährleisten. Besonders Pendler aus dem ländlichen Raum sind auf lückenlose Radwegenetze angewiesen. Es ist daher unabdingbar, dass Hochschulstandorte fest in die Ausbauplanung von Radschnellverbindungen integriert werden.
3. Verzahnung des Radverkehrsnetzes mit dem ÖPNV
Um das Fahrradpendeln auch über längere Distanzen hinweg für möglichst viele Studierende zu einer realistischen Mobilitätsoption zu machen, ist eine nahtlose Verknüpfung mit dem ÖPNV essenziell. Dafür fordern wir günstige Fahrradtickets, ausreichende Stellplätze im Zug und mehr sichere Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen. Ergänzend dazu müssen Bikesharing-Programme etabliert und ausgebaut werden, bei denen die Hochschulstandorte als zentrale Sharing-Knotenpunkte fungieren. Diese Angebote ermöglichen es, ÖPNV und Radverkehr unkompliziert zu kombinieren, ohne zwingend auf ein eigenes Fahrrad angewiesen zu sein. So entsteht ein umfangreiches, alltagstaugliches Mobilitätsangebot, das den Bedürfnissen der Studierenden gerecht wird und zugleich den Straßenverkehr nachhaltig entlastet.