Landesweite KI-Grundausstattung für Studierende in Bayern

BESCHLUSS

Aus­gangslage:
91,6 % der Studieren­den nutzen KI-Werkzeuge im Studi­um, 81,5 % greifen dabei auf die kosten­lose Chat­G­PT-Vari­ante zurück [1]. Die Stan­dard-Bezahlstufen kosten pro Dienst 21 bis 23 € im Monat, die Spitzen­stufen mit höheren Nutzungslim­its rund 100 bis 230 €[2]; nur 13 % der KI-Nutzen­den in Deutsch­land zahlen über­haupt für KI [3]. Für die Nutzung der aktuell­sten KI-Mod­elle ist eine bezahlungspflichtige Lizenz notwendig. Damit hängt es aktuell von der indi­vidu­ellen finanziellen Sit­u­a­tion der Studieren­den ab, ob jemand mit den mod­ern­sten LLMs in seinem Studi­um arbeit­en kann. Der Zugang zu KI ist damit eine Frage der Chan­cen­gle­ich­heit. Der Wis­senschaft­srat hat am 06.07.2026 emp­fohlen, den Hochschulen eine „ver­lässliche Grund­ver­sorgung mit Inferen­zka­paz­itäten” zu sich­ern, als beispiel­gebend nen­nt er die NRW-Lan­desstrate­gie und die Ange­bote der GWDG [4]. In Bay­ern fehlt ein solch­es über­greifend­es Ange­bot: Das Län­der­in­ven­tar des Wis­senschaft­srats (Stand 01.04.2026) führt für Bay­ern Leitlin­ien, Förder­pro­gramme und zwei Ver­wal­tung­spro­jek­te auf, aber keinen lan­desweit­en KI-Zugang für Studierende [4]. Bay­ern­KI (bis zu 55 Mio. € aus der High­tech Agen­da) ist reine Forschungsin­fra­struk­tur ohne Chat-Dienst und ohne all­ge­meinen Zugang für Studierende; die eigene FAQ ver­weist für Chat­bots an die GWDG nach Göt­tin­gen [5][6]. Für das geplante KI-Basis­mod­ell (Blue Swan) beschafft der Freis­taat weit­ere 1.024 Hochleis­tungs-GPUs, die ab Herb­st 2026 exk­lu­siv den Entwick­lung­steams vor­be­hal­ten sind [7]. Einzelne Hochschulen (u. a. FAU, HM, THWS) finanzieren Zugänge aus eige­nen Mit­teln, an anderen gibt es kein hochschul­weites Ange­bot [8][9]. Nor­drhein-West­falen dage­gen stellt seit März 2025 über KI:connect.nrw allen rund 607.000 Studieren­den der 36 staatlichen Hochschulen kosten­losen, anonymisierten KI-Zugang bere­it, seit April 2026 wird dies um lan­des­ge­hostete offene Mod­elle ergänzt [10][11].

Als größte Grup­pierung an den Hochschulen sollen die Studieren­den in die rel­e­van­ten Entschei­dung­sprozesse mit ein­be­zo­gen wer­den. Der Bay­erische Lan­desstudieren­den­rat fordert, allen Studieren­den der staatlichen bay­erischen­Hochschulen eine kosten­freie, frei­willig nutzbare KI-Grund­ver­sorgung als lan­desweit ein­heitlichen Dienst bere­itzustellen, unab­hängig davon, an welch­er Hochschule jemand studiert. Diese Grund­ver­sorgung umfasst min­destens:

Forderun­gen:

1. KI-Chatas­sis­tent auf Stand der Tech­nik: leis­tungs­fähige gen­er­a­tive Sprach­mod­elle aktueller Gen­er­a­tion mit Datei-Upload in ein­er bar­ri­ere­frei nutzbaren Ober­fläche. Die Architek­tur tren­nt Mod­elle, Client und hochschul­spez­i­fis­che Anbindung. Client und hochschul­spez­i­fis­che Kom­po­nen­ten wer­den quellof­fen entwick­elt und in einem öffentlichen Repos­i­to­ry bere­it­gestellt, sodass Hochschulen sie nach­nutzen und Studierende Architek­tur und Funk­tion­sweise nachvol­lziehen und zur Weit­er­en­twick­lung beitra­gen kön­nen.

2. Inter­net­zu­gang und Lit­er­atur­recherche: Zugriff auf aktuelle Webin­halte mit Quel­lenangaben sowie Unter­stützung wis­senschaftlich­er Lit­er­atur­recherche (Anbindung offen­er wis­senschaftlich­er Daten­banken bzw. Bib­lio­thek­sres­sourcen).

3. Lern­werkzeuge: Gener­ierung von inter­ak­tiv­en Übungs­fra­gen, Quizzen und Karteikarten aus eige­nen Lern­ma­te­ri­alien, inklu­sive Import und Export (z. B. Anki), sowie Anbindung an die Lern­plat­tfor­men der Hochschulen (z. B. Moo­dle). Wer­den gener­ierte Inhalte kur­sweit oder öffentlich geteilt, ist eine Freiga­be durch Lehrende, von ihnen benan­nte Per­so­n­en oder im Rah­men eines Peer-Review For­mats vorzuse­hen (Human-in-the-Loop zur Qual­itätssicherung).

4. Agen­tis­ches Cod­ing: KI-Pro­gram­mier­w­erkzeuge, die mehrschrit­tige Auf­gaben eigen­ständig bear­beit­en. Der Dienst stellt hier­für kontin­gen­tierte API-Schlüs­sel für eine Ope­nAI- oder Anthrop­ic-kom­pat­i­ble Schnittstelle bere­it, über die sich die gehosteten Mod­elle in etablierten (Open-Source-)Coding-Agenten als End­punkt ein­tra­gen lassen; das Model­lange­bot umfasst dafür geeignete, werkzeugfähige offene bzw. Open Weight-Mod­elle (derzeit z. B. Qwen3.6–27B, GLM‑5.2, DeepSeek-V4, Nemotron 3, Ultra, Mis­tral Large 3, Devs­tral 2).

5. Aktu­al­ität: selb­st betriebene offene bzw. Open-Weight-Mod­elle wer­den min­destens vierteljährlich auf aktuelle Mod­ell­gen­er­a­tio­nen aktu­al­isiert, bei ange­bun­de­nen kom­merziellen Mod­ellen wer­den neue Mod­ell­gen­er­a­tio­nen zeit­nah über­nom­men, spätestens drei Monate nach Ver­füg­barkeit; einge­set­zte Mod­elle, Ver­sio­nen und Mod­ell­wech­sel wer­den trans­par­ent doku­men­tiert und rechtzeit­ig angekündigt, für laufende Lehrver­anstal­tun­gen und Prü­fun­gen bleiben abgelöste Mod­ell­stände über­gangsweise ver­füg­bar, soweit Lizenz, Sicher­heit und Betrieb dies zulassen.


6. Gestaffelte Nutzungskontin­gente: ein indi­vidu­elles Kontin­gent für kom­merzielle Mod­elle sowie ein bre­it­eres für aktuelle, in Bay­ern gehostete offene Mod­elle; auf Antrag erhöh­bare Kontin­gente für Pro­jek­te, Abschlus­sar­beit­en und Lehrver­anstal­tun­gen; jed­erzeit trans­par­ent ein­se­hbare Anzeige der eige­nen Kontin­gent­nutzung; nutzungs­gerechte Bemes­sung (etwa token- oder rechen­zeit­basiert statt nach bloßer Anfragezahl). Aggregierte Nutzungssta­tis­tiken wer­den den Studieren­den­vertre­tun­gen zugänglich gemacht; Bemes­sung und Anpas­sung der Kontin­gente erfol­gen unter Ein­beziehung der Studieren­den. In Prü­fun­gen, in denen KI-Nutzung zuge­lassen, voraus­ge­set­zt oder Gegen­stand der Leis­tung ist, erhal­ten alle Teil­nehmenden densel­ben Mod­ell­stand und Funk­tion­sum­fang mit einem vom per­sön­lichen Ver­brauch unab­hängi­gen Prü­fungskontin­gent, um die prü­fungsrechtliche Chan­cen­gle­ich­heit zu wahren.

7. Daten­schutz und dig­i­tale Sou­veränität: DSG­VO-kon­former Betrieb auf Infra­struk­tur in der EU bzw. im EWR (solange min­destens die daten­schutzrechtlichen Stan­dards der EU einge­hal­ten wer­den) oder auf hochschuleigen­er Infra­struk­tur; keine Nutzung stu­den­tis­ch­er Eingaben für das Train­ing extern­er bzw. kom­merzieller Mod­elle; keine Pflicht zu pri­vat­en Kon­ten bei Drit­tan­bi­etern; Anmel­dung über die Hochschulken­nung, ohne Über­mit­tlung iden­ti­fizieren­der Dat­en an externe Model­lan­bi­eter. Bei exter­nen Model­lan­bi­etern wer­den Zero ‑Data ‑Reten­tion- Vere­in­barun­gen genutzt; die Daten­hal­tung erfol­gt vor­rangig auf hochschuleigen­er oder im Hochschul­ver­bund betrieben­er Infra­struk­tur, andern­falls
inner­halb der EU bzw. des EWR. Ein­sicht­nah­men in einzelne Chatver­läufe erfol­gt nur ohne Zuord­nung zu ein­er Per­son und nur, soweit dies für Betrieb, Fehler­analyse, Sicher­heit oder Miss­brauchsver­mei­dung erforder­lich ist. Die Nutzen­den wer­den bei der Nutzung des Dien­stes deut­lich darauf hingewiesen, keine per­so­n­en­be­zo­ge­nen Dat­en in Chats einzugeben. Eine Auswer­tung von Chats für Leis­tungs­be­w­er­tung, Prü­fungsentschei­dun­gen oder Täuschungserken­nung find­et nicht statt. Studierende kön­nen ihre Chats per geson­dert­er, jed­erzeit fol­gen­los wider­ru­flich­er Ein­willi­gung (Opt-in) für Learn­ing-Ana­lyt­ic­sZwecke freigeben; die Auswer­tung erfol­gt auss­chließlich aggregiert und ohne Rück­führbarkeit auf
Einzelper­so­n­en und fließt nicht in Leis­tungs­be­w­er­tung, Prü­fungsentschei­dun­gen oder Täuschungserken­nung ein. Studierende kön­nen darüber hin­aus per eigen­er, geson­dert­er, jed­erzeit wider­ru­flich­er Ein­willi­gung ihre Chats für das Train­ing und die Verbesserung der selb­st betriebe­nen Mod­elle und Werkzeuge des Dien­stes bere­it­stellen; die Dat­en wer­den hier­für vor­ab um per­so­n­en­beziehbare Angaben bere­inigt und ver­lassen die hochschuleigene bzw. im Hochschul­ver­bund betriebene Infra­struk­tur nicht; der Wider­ruf wirkt für kün­ftige Train­ingsläufe. Eine Nutzung für das Train­ing extern­er bzw. kom­merzieller Mod­elle bleibt option­al.

8. Zitier­fähiger Echtheit­snach­weis: Aus jedem über den Dienst geführten Chat muss ein kryp­tografisch ver­i­fizier­bar­er, manip­u­la­tion­snach­weisender Echtheit­sanker unter ein­er per­sis­ten­ten, insti­tu­tionell ver­wal­teten Ken­nung exportier­bar sein, der Gesprächsver­lauf, ver­wen­detes Mod­ell samt Ver­sion sowie, soweit tech­nisch ver­füg­bar, Gener­ierungspa­ra­me­ter (u. a. Tem­per­a­ture), genutzte Werkzeuge und abgerufene Quellen doku­men­tiert und so als Zita­tions­be­leg für KI-Out­puts in wis­senschaftlichen Arbeit­en dient; die dauer­hafte Erre­ich­barkeit ist insti­tu­tionell, nicht anbi­eter­ab­hängig sicherzustellen. Der Export erfol­gt auss­chließlich auf Ver­an­las­sung der Studieren­den, wahlweise voll­ständig oder als Auszug mit gekennze­ich­neten Aus­las­sun­gen und mit frei wählbarem Zugriff­skreis (öffentlich bis nur benan­nte Prüfende); nicht exportierte Chats wer­den
zu diesem Zweck nicht gespe­ichert.

9. Ver­ste­ti­gung: dauer­hafte zen­trale Finanzierung durch den Freis­taat, nicht zulas­ten
 von Lehrbud­gets oder aus Mit­teln der Studieren­den­vertre­tun­gen, sowie beglei­t­ende
 Ange­bote zum Auf­bau von KI-Kom­pe­tenz.

Quellen:

 [1] https://doi.org/10.48444/h_docs-pub-533 und
 https://h‑da.de/meldung-einzelansicht/bundesweite-studie-mehr-als-90-der-
 studieren­den-nutzen-ki-basierte-tools-wiechat­g­pt-fuers-studi­um
 [2]
 https://openai.com/de-DE/chatgpt/pricing/https://claude.com/pricing und
 https://gemini.google/de/subscriptions/ [3]
 https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Zahlungsbereitschaft-fuer-KI-erhoeht
[4] https://www.wissenschaftsrat.de/download/2026/3319–26.pdf
 (Grund­ver­sorgung mit Inferen­zka­paz­itäten S. 55 ff.; Empfehlun­gen S. 59 f.;
 Län­derüber­sicht S. 79 ff., Bay­ern S. 82) [5] https://www.ki-in-bayern.de/faqs/ [6]
 https://www.lrz.de/en/research/research-projects/detail/startschuss-fuer-bayernki
 [7]
 https://www.stmwk.bayern.de/pressemitteilung/12994/meilenstein-fuer-bayerns-ki-
 offen­sive-ki-infra­struk­tur-mit-weit­eren-1024-nvidia-hochleis­tung­sprozes­soren-fuer-
 blueswan-plattform.html
 [8]
 https://www.fau.de/2024/09/news/studium/chatgpt-und-co-fuer-alle-fau-mitglieder/ [9]
 https://www.hawk.de/de/newsportal/pressemeldungen/ki-der-lehre-mehr-als-60- deutsche-
 hochschulen-nutzen-entwick­lung-der-hawk [10]
 https://www.land.nrw/pressemitteilung/studieren-und-forschen-mit-kuenstlicher-
 intel­li­genz-hochschulen-nor­drhein
 [11]
 https://blog.rwth-aachen.de/itc/en/2026/03/11/kiinferenz-nrw/ und
 https://itmc.tu-dortmund.de/storages/itmc/Bilder/News/2026/Info-Inferenz-NRW-
 Start.pdf
 

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