Ein Hörsaal, selbe Vorlesung und zwei Preisklassen

PRESSEMITTEILUNG

BayStu­Ra fordert gebühren­freies Studi­um für alle.

Der Bay­erische Lan­desstudieren­den­rat (BayStu­Ra) stellt sich entsch­ieden gegen die Ein­führung von Stu­di­enge­bühren für Nicht-EU- und Nicht-EWR-Studierende, die nun auch an der Lud­wig-Max­i­m­il­ians-Uni­ver­sität München (LMU) erwogen wer­den [1, 2]. Pläne für flächen­deck­ende Gebühren an allen bay­erischen Hochschulen müssen vom Tisch. Die Staat­sregierung muss eine aus­re­ichende Grund­fi­nanzierung der Hochschulen sich­er­stellen und Studierende nicht durch Gebühren­er­he­bun­gen zusät­zlich belas­ten. Deshalb fordert der BayStu­Ra, die geset­zliche Möglichkeit zur Erhe­bung solch­er Gebühren zurück­zunehmen und auch aus Respekt vor dem erfol­gre­ichen Volks­begehren von 2013, nach dem Bay­ern die Stu­di­en­beiträge abgeschafft hat [3].

Stu­di­enge­bühren ver­schär­fen soziale Hür­den an bay­erischen Hochschulen

Nach Angaben des Staatsmin­is­teri­ums für Wis­senschaft und Kun­st (StMWK) vom Okto­ber 2026 erheben bere­its rund die Hälfte der bay­erischen Hochschulen Stu­di­enge­bühren für Studierende aus Nicht-EU-Staat­en oder erwä­gen diese einzuführen [4]. Dieser Trend wird aus
Sicht des BayStu­Ra nicht nur die Attrak­tiv­ität des Hochschul­stan­dorts Bay­ern für inter­na­tionale Stu­di­en­in­ter­essierte senken, son­dern auch zu ein­er sozialen Selek­tion führen.

„Fast die Hälfte eines Jahrgangs ste­ht nach dem Abschluss unserem Arbeits­markt zur Ver­fü­gung, rund ein Drit­tel bleibt bis zur Rente. Wer diese Tal­ente mit Gebühren abschreckt, spart am falschen Ende und ver­schärft den Fachkräfte­man­gel. Gebühren für Nicht-EUStudierende sind die Folge ein­er aus­bleiben­den Grund­fi­nanzierung. Wer gute Lehre will, muss sie mit ein­er Grund­fi­nanzierung bezahlen. Studierende dür­fen nicht die Lück­en im Hochschul­haushalt schließen müssen.“, sagt Moritz Schmid, Sprech­er des BayStu­Ra.

Zusät­zliche Gebühren wür­den vor allem Studierende aus einkom­menss­chwachen Fam­i­lien, aus Kon­flik­tre­gio­nen und aus dem Glob­alen Süden auss­chließen. Sie müssen heute schon hohe Leben­shal­tungskosten tra­gen und für ihren Aufen­thalt finanzielle Mit­tel nach­weisen. Stipen­di­en für einzelne beson­ders leis­tungsstarke Bewerber*innen kön­nen einen offe­nen und sozial verträgliche Hochschulzu­gang nicht erset­zen.

Der Freis­taat muss seine Hochschulen aus­re­ichend finanzieren

Die neu ent­flammte Debat­te in der Lan­deshaupt­stadt ste­ht für eine Entwick­lung, vor der der BayStu­Ra bere­its seit 2024 warnt. Die finanziellen Prob­leme der Hochschulen wer­den damit zunehmend auf einzelne Studieren­den­grup­pen ver­lagert.

„Die Staat­sregierung trägt die Ver­ant­wor­tung für eine ver­lässliche, bedarf­s­gerechte Grund­fi­nanzierung der Hochschulen. Schlechte Haushalt­sla­gen oder ein unter­fi­nanziert­er Betreu­ungsaufwand dür­fen nicht auf dem Rück­en inter­na­tionaler Studieren­der aus­ge­tra­gen
wer­den. Studierende dür­fen auf keinen Fall die Aus­fall­bürgschaft für staatliche Ver­säum­nisse wer­den“, betont Amir Hasu­kic, Sprech­er des BayStu­Ra. Eine lan­desweite Verpflich­tung, wie sie der Arbeit­skreis Hochschule und Kul­tur der CSU in Höhe von min­destens 1.000 Euro pro Semes­ter an allen staatlichen Hochschulen in Bay­ern fordert, lehnt der BayStu­Ra eben­falls entsch­ieden ab [5].

Inter­na­tionale Studierende stärken Wis­senschaft und Gesellschaft

Ein Gutacht­en des Insti­tuts der deutschen Wirtschaft (IW) vom Sep­tem­ber 2026 schätzt den pos­i­tiv­en Beitrag inter­na­tionaler Studienanfänger*innen zum öffentlichen Haushalt auf rund 23,1 Mil­liar­den Euro und zwar nur für den Jahrgang 2023. Bere­its zwei Jahre nach dem Abschluss zahlen sie mehr an Steuern und Abgaben, als der Staat in sie investiert hat [6]. „Bay­ern wirbt inter­na­tion­al um kluge Köpfe. Zusät­zliche Gebühren schreck­en genau diejeni­gen ab, die wir für unsere Hochschulen und unsere Gesellschaft gewin­nen wollen“, sagt
Sabine Kam­intzky, Sprecherin des BayStu­Ra.
Auch in Baden-Würt­tem­berg, in dem Studierende aus Nicht-EU-Län­dern bere­its Gebühren zahlen, fordert inzwis­chen der Baden-Würt­tem­ber­gis­che Indus­trie- und Han­del­skam­mertag (BWIHK) deren Abschaf­fung [7]. Dabei darf der Anspruch auf einen gerecht­en Bil­dungszu­gang, unab­hängig vom späteren wirtschaftlichen Nutzen, nicht außer Acht gelassen wer­den.

Demon­stra­tion gegen Stu­di­enge­bühren in München

Die Studieren­den­vertre­tung der LMU (StuVe LMU) und der BayStu­Ra laden zur Demon­stra­tion am Sam­stag, 7. Novem­ber 2026, um 14 Uhr auf dem Geschwis­ter-Scholl-Platz 1 in München ein. „Die Hochschulleitung und die Poli­tik sollen von inter­na­tionalen Studieren­den und unseren
Unter­stützerin­nen selb­st hören, was die zusät­zlichen Gebühren für unsere Studieren­den und für Stu­di­enentschei­dun­gen bedeuten. Dafür schaf­fen wir am Sam­stag vor der Uni­ver­sität Öffentlichkeit“, erk­lärt die Studieren­den­vertre­tung der LMU.

Quellen
[1] Studieren­den­vertre­tung der Lud­wig-Max­i­m­il­ians-Uni­ver­sität München
[2] Haase, Katha­ri­na (2026). LMU erwägt Stu­di­enge­bühren für Studierende aus Nicht-EU-Län­dern. Süd­deutsche
Zeitung, 20.10.2026. Abgerufen am 03.11.2026. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/lmu-muenchenstudiengebuehren-nicht-eu-laender-protest-li.3566035
[3] Bay­erisch­er Rund­funk (2013). Stu­di­enge­bühren: Abschaf­fung nach langem Stre­it. BR24, Stand 05.03.2013. Abgerufen
am 03.11.2026. https://www.br.de/nachricht/spezial/streit-studiengebuehren-bayern-100.html
[4] Heim, Max­i­m­il­ian (2026). Stu­di­enge­bühren für Nicht-EU-Aus­län­der: Bald in ganz Bay­ern? BR24, 22.10.2026. Abgerufen
am 03.11.2026. https://www.br.de/nachrichten/bayern/studiengebuehren-fuer-nicht-eu-auslaender-bald-in-ganzbayern,VYfgfEe [5] Würth, Wolf­gang (2026). Auch an der OTH Amberg-Wei­den: CSU fordert 1000 Euro Gebühren für aus­ländis­che
Stu­den­ten. Amberg24, 12.10.2026. Abgerufen am 03.11.2026.https://amberg24.de/auch-an-der-oth-amberg-weidencsu-fordert-1000-euro-gebuehren-fuer-auslaendische-studenten/cnt-id-ps-d089b4f7-413b-4950–936eb8c80424858d
[6] Geis-Thöne, Wido (2026). Ermit­tlung und Analyse des Verbleibs inter­na­tionaler Studieren­der. Fundierung von
Szenar­ien zur Berech­nung volk­swirtschaftlich­er Effek­te der Zuwan­derung über die Hochschulen. Gutacht­en im Auf­trag
des Deutschen Akademis­chen Aus­tausch­di­en­stes (DAAD). Insti­tut der deutschen Wirtschaft, Köln, 08.09.2026.
Abgerufen am 03.11.2026. https://static.daad.de/media/daad_de/infos-services-fuer-hochschulen/expertise-zuthemen-laendern-regionen/iw-gutachten_2026_ermittlung_und_analyse_des_verbleibs.pdf
[7] Kukral, Tim (2025). Stu­di­enge­bühren für Nicht-EU-Aus­län­der in BW: Wirtschaft und SPD fordern Abschaf­fung. SWR,
20.03.2025. Abgerufen am 03.11.2026.https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/forderung-abschaffungstudiengebuehren-nicht-eu-auslaender-100.html

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