Einführung
Die bayerischen Hochschulen sind in hohem Maße auf funktionierende digitale Infrastrukturen für
Lehre, Studium, Verwaltung und studentische Selbstverwaltung angewiesen. Digitale Werkzeuge sind
inzwischen ein zentraler Bestandteil des Hochschulalltags und beeinflussen maßgeblich die
langfristige Handlungsfähigkeit der Hochschulen.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle politische, wirtschaftliche und rechtliche Lage, dass eine starke
Abhängigkeit von einzelnen proprietären Softwareanbietern, insbesondere
außereuropäischen Konzernen, erhebliche Risiken birgt. Dazu zählen unter anderem
datenschutzrechtliche Unsicherheiten 8, mangelnde Transparenz, eingeschränkte Anpassbarkeit,
Kostensteigerungen bei gleichzeitigem Vendor-Lock-in sowie eine eingeschränkte digitale
Souveränität der öffentlichen Hand.
Viele Hochschulen in Bayern setzen derzeit zentral auf außereuropäische Closed-Source Dienste wie
Microsoft Teams / Microsoft Office 365 / Microsoft Exchange oder Zoom zur Kollaboration. Diese
Dienste sind proprietär, nicht vollständig transparent und unterliegen auch rechtlichen
Rahmenbedingungen außerhalb der Europäischen Union. Trotz vertraglicher Zusicherungen bestehen
weiterhin erhebliche Zweifel an der vollständigen DSGVO-Konformität sowie an der langfristigen
Verlässlichkeit dieser Angebote. 1
Demgegenüber bieten selbst gehostete Open-Source-Lösungen die Möglichkeit,
die Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Weiterentwicklung zu behalten,
Datenschutz und IT-Sicherheit nachvollziehbar und überprüfbar umzusetzen,
Vendor-Lock-in zu vermeiden und langfristig Kosten zu stabilisieren,
digitale Kompetenzen innerhalb der Hochschulen nachhaltig aufzubauen.
Bereits heute existieren leistungsfähige Open-Source-Alternativen für Kollaboration, Kommunikation,
Dokumentenbearbeitung und Lernmanagement, die erfolgreich an Hochschulen im In- und Ausland eingesetzt werden.
Von vielen Initiativen, Hochschulen, Verbünden und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) wurde die
Relevanz von Open-source und kooperativer Softwarelösungen im Hochschulbetrieb mit Forderungen
2/3/4 unterstrichen und einige Hochschulprojekte 5/6 wurden bereits umgesetzt. Die
Hochschulrektorenkonferenz sieht in ihrem Positionspapier zur Digitalen Hochschule „auch bei der
institutionellen digitalen Souveränität […] Handlungsbedarf. Hier geht es vor allem um eigene ggf. in
Kooperation weiterzuentwickelnde IT-Dienstleistungen – inklusive Entwicklung eigener sowie
Erweiterung bestehender Open-Source-Lösungen -, die Vermeidung von irreversiblen Abhängigkeiten
bei der Beauftragung von externen Dienstleistern sowie die Einflussnahme der Hochschulen auf die
von ihnen verwendete Software“7.
Aus der Perspektive des bayerischen Landesstudierendenrats sind folgende Punkte besonders
relevant:
Empfehlung einer „Open-Source-First“ Strategie für die Hochschulen:
Der BayStuRa empfiehlt den bayerischen Hochschulen eine „Open-Source-First“-Strategie: Bei
Neuanschaffungen, Ausschreibungen oder Vertragsverlängerungen sollte gleichwertiger Open-Source-
Software grundsätzlich der Vorzug gegeben werden, oder solche zumindest gleichwertig angeboten
werden, insbesondere für Kommunikation, Kollaboration und Dokumentenverarbeitung.
Kritische Abhängigkeiten reduzieren:
Hochschulen sollen angesichts der aktuellen rechtlichen und politischen Lage die Abhängigkeit von
proprietären Softwaredienstleistern, dabei vor allem von außereuropäischen Anbietern kritisch und
zukunftsweisend überprüfen und schrittweise reduzieren.
Datenschutz und digitale Souveränität priorisieren:
Bei der Auswahl digitaler Werkzeuge sollen neben dem Funktionsumfang der Software auch
Datenschutz, Transparenz, Interoperabilität und digitale Souveränität zentrale Entscheidungskriterien
sein.
Unterstützung und Ressourcen fordern:
Der BayStuRa fordert das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst auf, Hochschulen
finanziell und organisatorisch beim Aufbau, Betrieb und der Weiterentwicklung Open-Sourcebasierter
IT-Infrastrukturen zu unterstützen.
Vernetzung der bayerischen Hochschulen und öffentlichen Infrastruktur:
Die bayerischen Hochschulen sollen bei der Auswahl und dem Betrieb von Open-Source-IT-Lösungen
untereinander und mit öffentlichen Rechenzentren kooperieren und dabei verstärkt auf
hochschulübergreifend einsetzbare Software-Lösungen und Hosting-Lösungen setzen. Denn ein
gemeinsamer Betrieb kann durch Skaleneffekten die Senkung des personellen und finanziellen
Aufwandes ermöglichen. Diese Synergien sichern die notwendige Interoperabilität sowie
perspektivisch auch einen einfachen Datenaustausch zwischen Hochschulen.
Einbindung der Studierenden:
Studierende und ihre Vertretungen sollen bei der Auswahl und Weiterentwicklung von ITAnwendungen
frühzeitig und verbindlich eingebunden werden.
Schlussbemerkung
Digitale Infrastruktur ist öffentliche Infrastruktur. Ihre Gestaltung muss sich an den Werten von
Offenheit, Transparenz, Datenschutz und Nachhaltigkeit orientieren. Open-Source-Software bietet
hierfür eine zukunftsfähige Grundlage, die den Bedürfnissen von Studierenden und Hochschulen
gleichermaßen gerecht wird. Eine konsequente Open-Source-First-Strategie schützt dabei nicht nur
vor kostspieligen Abhängigkeiten, sondern fördert durch landesweite Vernetzung auch die Effizienz
der Verwaltung. Digitale Souveränität ist somit die Voraussetzung für eine unabhängige und
zukunftsorientierte bayerische Hochschullandschaft.
Quellen
Q1: https://borncity.com/win/2022/11/27/german-data-protection-conference-2022-saysmicrosoft-
365-still-not-gdpr-compliant/
Q2: https://www.opensourcelms.de/
Q3: https://www.tu.berlin/personalrat/nachrichtendetails/open-source-software-wieso-weshalbwarum#
sdfootnote1sym
Q4: https://www.heise.de/news/Kampf-um-digitale-Souveraenitaet-Experten-fordern-Gratis-
OpenDesk-fuer-Unis-11176449.html
Q5: https://hochschulcloud.nrw/
Q6: https://hochschuledigital-niedersachsen.de/project/open-source-development-network‑2/
Q7: https://www.hrk.de/positionen/beschluss/detail/digitale-hochschule-herausforderungen-undkooperationsmoeglichkeiten
Q8: https://fragdenstaat.de/anfrage/gutachten-zu-zugriffsmoeglichkeiten-von-us-amerikanischersicherheitsbehoerden-
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