Steigende Lebenshaltungskosten, Versprechen in der Schwebe: BayStuRa fordert Umsetzung der vereinbarten BAföG-Erhöhung

PRESSEMITTEILUNG

Der Bay­erische Lan­desstudieren­den­rat ist angesichts der aktuellen Debat­te besorgt über die im Koali­tionsver­trag vere­in­barte BAföG-Reform. Die jüng­sten Aus­sagen von Unions­frak­tion­schef Jens Spahn und Bun­des­forschungsmin­is­terin Dorothee Bär lassen befürcht­en, dass notwendi­ge Verbesserun­gen für Studierende aus­bleiben kön­nten. Studierende sind seit Jahren durch drastisch steigende Leben­shal­tungskosten wie Miete, Lebens­mit­tel, Kranken­ver­sicherung und Strom einem erhöht­en finanziellen Druck aus­ge­set­zt. Unter den derzeit­i­gen Rah­menbe­din­gun­gen ist mehr als die Hälfte der BAföG-beziehen­den Studieren­den (55 %) darauf angewiesen, neben dem Studi­um zu arbeit­en, um ihren Leben­sun­ter­halt zu sich­ern.

“Studierende sparen längst beim Wohn­raum, bei Ernährung, Freizeit, Gesund­heit und teil­weise sog­ar beim Studi­um selb­st. Sol­i­dar­ität bedeutet nicht, diejeni­gen weit­er zu belas­ten, die ohne­hin wenig haben.” — Amir Hasu­kic

Wie prekär die finanzielle Lage viel­er Studieren­der ins­ge­samt ist, zeigt ein Bericht der EU-SILC aus dem Jahr 2023: Dem­nach gal­ten 35 % aller Studieren­den als armutsge­fährdet[1]. Beson­ders drastisch fällt der Befund für jene aus, die in einem eige­nen Haushalt oder in ein­er Wohnge­mein­schaft leben – hier sind rund 77 % von Armut bedro­ht. Damit gel­ten Studierende als eine der am stärk­sten armutsge­fährde­ten Grup­pen in Deutsch­land. Die Debat­te wird derzeit von Aus­sagen geprägt, wonach Studierende “sehr priv­i­legiert” seien oder dass es “kein Dra­ma” sei, neben dem Studi­um zusät­zlich zu arbeit­en. Diese Darstel­lung verken­nt die Real­ität viel­er Studieren­der. Wer 15 oder 20 Stun­den pro Woche arbeit­en muss, um Miete und Lebens­mit­tel bezahlen zu kön­nen, studiert nicht mehr unter densel­ben Bedin­gun­gen wie diejeni­gen, die sich voll­ständig auf ihr Studi­um konzen­tri­eren kön­nen.

“BAföG ist kein Luxus und Studieren darf keine Frage des Geld­beu­tels sein. Für viele Studierende ist BAföG eine Voraus­set­zung, um über­haupt studieren zu kön­nen.” Sabine Kam­intzky

Beson­ders betrof­fensind Studierende aus einkom­menss­chwachen Fam­i­lien, Studierende mit Kindern, Studierende mit Beein­träch­ti­gun­gen oder chro­nis­chen Erkrankun­gen sowie Studierende mit Migra­tions­geschichte. Für sie bedeutet eine unzure­ichende Stu­di­en­fi­nanzierung nicht mehr Eigen­ver­ant­wor­tung, son­dern eine zusät­zliche Hürde auf dem Weg zu einem Stu­di­en­ab­schluss.

“Wer Bil­dungsauf­stiege ermöglichen will, muss auch Ver­lässlichkeit schaf­fen. Die BAföG-Erhöhung ist bere­its im Koali­tionsver­trag eingepreist vere­in­bart. Die Debat­te erneut aufzu­machen, beschädigt das Ver­trauen in Bil­dungspoli­tik.” — Moritz Schmid

Sollte die angekündigte BAföG-Reform aus­bleiben, dro­hen gravierende Fol­gen: Mehr Studierende wären weit­er­hin einem erhöht­en Armut­srisiko aus­ge­set­zt, Stu­dien­zeit­en ver­längern sich, psy­chis­che und kör­per­liche Belas­tun­gen nehmen weit­er zu und die Zahl der Stu­di­en­ab­brüche kön­nte steigen. Gle­ichzeit­ig entschei­det der Kon­to­stand der Eltern noch stärk­er darüber, wer sich ein Studi­um leis­ten kann und welch­er Stu­di­en­stan­dort dadurch in Frage kommt.

Der Bay­erische Lan­desstudieren­den­rat fordert deshalb die Unions­frak­tion auf,

  • die im Koali­tionsver­trag vere­in­barte Erhöhung der BAföG-Leis­tun­gen auf das Grund­sicherungsniveau umzuset­zen,
  • die Bedarf­ssätze und Wohnkosten­pauschalen real­itäts­gerecht an die tat­säch­lichen Leben­shal­tungskosten anzu­passen
  • die Anspruchsmöglichkeit für Studierende zu erhöhen, damit mehr Studierende BAföG erhal­ten kön­nen,

Wer Bil­dung ver­spricht, muss sie auch finanzieren. Studierende brauchen Per­spek­tiv­en und keine Spar­poli­tik auf ihrem Rück­en. Die Bil­dungs­gerechtigkeit in Deutsch­land darf nicht zur Spar­masse des Bun­de­shaushalts wer­den. Es ist kurzsichtig, bei der Bil­dung zu sparen, nur weil kein wirtschaftlich­es Wach­s­tum sofort in Aus­sicht ste­ht.


[1] Armutsge­fährdet: weniger als 60 % des Medi­aneinkom­mens; Quellen: BMBF, CHE, Hochschul­dat­en

Nach oben scrollen