Stellungnahme an die Landesregierungen und die Bundesregierung zur Stärkung studentischer Mitbestimmung und zur Verbesserung der Studienbedingungen

Die deutschen Hochschulen ste­hen derzeit unter erhe­blichem finanziellem und struk­turellem Druck. Durch aus­bleibende infla­tion­s­gerechte Bud­getan­pas­sun­gen und gezielte Spar­maß­nah­men auf Lan­desebene sehen sich die Uni­ver­sitäten zunehmend gezwun­gen, Lehrange­bote einzuschränken, Stellen abzubauen und soziale Infra­struk­turen zurück­z­u­fahren. Diese Kürzungspoli­tik belastet die Studieren­den in ihrer alltäglichen Lebens- und Stu­di­en­re­al­ität mas­siv.

Par­al­lel zu dieser ökonomis­chen Ver­schlechterung lässt sich eine besorgnis­er­re­gende Entwick­lung bei den demokratis­chen Beteili­gungsrecht­en beobacht­en: Die Mitbes­tim­mungsmöglichkeit­en der Studieren­den wer­den im Zuge von Hochschulge­set­zre­for­men und restrik­tiv­en Ver­wal­tungsentschei­dun­gen schrit­tweise eingedämmt. Anstatt die größte Sta­tus­gruppe der Hochschulen aktiv in die Bewäl­ti­gung der aktuellen Krisen einzu­binden, erleben wir einen anhal­tenden Angriff auf die Autonomie der Ver­fassten Studieren­den­schaft. Dies äußert sich in ein­er zunehmend engen Ausle­gung unseres hochschulpoli­tis­chen Man­dats sowie in bürokratis­chen Hür­den, welche die Hand­lungs­fähigkeit der stu­den­tis­chen Vertre­tun­gen sys­tem­a­tisch ein­schränken. Eine zukun­fts­fähige und krisen­feste Hochschule kann jedoch nur durch mehr, nicht durch weniger Demokratie gestal­tet wer­den. Im Namen der Studieren­den fordern wir eine umfassende Weit­er­en­twick­lung der hochschulpoli­tis­chen Rah­menbe­din­gun­gen auf Lan­des- und Bun­de­sebene. Ziel muss es sein, die Mitbes­tim­mung von Studieren­den struk­turell zu stärken, Stu­di­enbe­din­gun­gen zu verbessern und soziale sowie demokratis­che Teil­habe im Hochschul­sys­tem nach­haltig zu sichern.Zentral ist dabei zunächst die verbindliche Stärkung der stu­den­tis­chen Mitbes­tim­mung in allen Hochschul­gremien und Kom­mis­sio­nen. Studierende müssen mit min­destens einem Vier­tel der Stim­men vertreten sein; entsprechende Regelun­gen soll­ten bun­desweit, als Min­dest­stan­dard etabliert wer­den. Darüber hin­aus ist die gle­ich­berechtigte Beteili­gung von Studieren­den auch auf Leitungsebene sicherzustellen, indem eine stu­den­tis­che Vertre­tung in Prä­si­di­en oder Rek­torat­en rechtlich ermöglicht und verbindlich ver­ankert wird. Eben­so muss es Studieren­den möglich sein, den Vor­sitz oder stel­lvertre­tenden Vor­sitz in Ver­wal­tungsräten der Studieren­den­werke zu übernehmen.

Darüber hin­aus sprechen wir uns dafür aus, den Hochschulen in ihren jew­eili­gen Hochschulge­set­zen die Möglichkeit einzuräu­men, die Wahl stu­den­tis­ch­er Vertreterin­nen und Vertreter in Hochschul­gremien auch indi­rekt über die Ver­fasste Studieren­den­schaft zu ermöglichen und entsprechende Regelun­gen in den Grun­dord­nun­gen der Hochschulen zu ver­ankern. Dadurch kann den unter­schiedlichen Organ­i­sa­tion­sstruk­turen der Hochschulen Rech­nung getra­gen und die stu­den­tis­che Selb­stver­wal­tung gestärkt wer­den. Zudem soll­ten den Ver­fassten Studieren­den­schaften die Ver­ant­wor­tung über­tra­gen wer­den, die Wahlen der stu­den­tis­chen Vertreterin­nen und Vertreter für Hochschul­gremien eigen­ständig zu organ­isieren und durchzuführen. Ein weit­er­er wesentlich­er Aspekt ist die Ausweitung stu­den­tis­ch­er Mitbes­tim­mungsrechte bei Ord­nungs­maß­nah­men. Ins­beson­dere bei schw­er­wiegen­den Ein­grif­f­en wie Exma­triku­la­tio­nen ist eine verbindliche Beteili­gung der Studieren­den­vertre­tun­gen sicherzustellen. Par­al­lel dazu bedarf es ein­er grundle­gen­den Flex­i­bil­isierung der Stu­di­en­struk­turen. Studierende müssen ihren Stu­di­en­ver­lauf eigen­ständig gestal­ten kön­nen, ohne durch starre Mod­u­la­b­hängigkeit­en eingeschränkt zu wer­den. Es darf ins­beson­dere nicht vorkom­men, dass die Teil­nahme an inhaltlich unab­hängi­gen Mod­ulen durch nicht bestandene Prü­fun­gen block­iert wird. Zudem sprechen wir uns aus­drück­lich für den Erhalt der Zivilk­lausel aus, die die Verpflich­tung der Hochschulen zu friedlich­er und zivil­er Forschung unter­stre­icht und rechtlich abgesichert bleiben muss. Im Prü­fungswe­sen fordern wir grundle­gende Refor­men: Das endgültige Nichtbeste­hen von Prü­fun­gen ist abzuschaf­fen, um Bil­dungswege nicht dauer­haft zu ver­bauen und mehr Chan­cen­gerechtigkeit zu gewährleis­ten. Prü­fun­gen sollen grund­sät­zlich anonymisiert durchge­führt wer­den, etwa durch die Ver­wen­dung von nur der Matrikel­num­mern anstelle von Namen, um eine objek­tive Bew­er­tung sicherzustellen. Zudem müssen solche anonymisierten Prü­fungs­for­mate in jedem Semes­ter ange­boten wer­den. Weit­er­hin ist die Prax­is automa­tis­ch­er Anmel­dun­gen zu Wieder­hol­ung­sprü­fun­gen sowie die Verpflich­tung zur Teil­nahme am näch­st­möglichen Prü­fung­ster­min abzuschaf­fen. Studierende benöti­gen die notwendi­ge Flex­i­bil­ität, um Prü­fun­gen eigen­ver­ant­wortlich pla­nen zu kön­nen. In diesem Zusam­men­hang ist auch sicherzustellen, dass Prü­fungsergeb­nisse, ins­beson­dere im Falle des Nichtbeste­hens, rechtzeit­ig vor Beginn des darauf­fol­gen­den Semes­ters vor­liegen, um eine ver­lässliche Stu­di­en­pla­nung zu ermöglichen. Ein weit­eres zen­trales Anliegen ist zudem die voll­ständi­ge Abschaf­fung von Stu­di­enge­bühren. Dies bet­rifft ins­beson­dere Gebühren für inter­na­tionale Studierende, Langzeit­studierende sowie Zweit­studierende, die eine zusät­zliche soziale Hürde darstellen. Eben­so lehnen wir die Ein­führung oder Beibehal­tung von Max­i­mal­stu­dien­zeit­en ab, da diese den vielfälti­gen Leben­sre­al­itäten von Studieren­den nicht gerecht wer­den und Bil­dungswege unnötig einschränken.Abschließend fordern wir die verbindliche rechtliche Ver­ankerung und angemessene Finanzierung von Lan­desstudieren­den­vertre­tun­gen in allen Hochschulge­set­zen. Derzeit existieren in der Mehrheit der Bun­deslän­der keine oder nur unzure­ichende Regelun­gen zu deren Beteili­gungsrecht­en, ins­beson­dere im Hin­blick auf Anhörungsrechte auf Lan­desebene. Diese struk­turelle Schwäche ist drin­gend zu beheben, um eine wirk­same Inter­essen­vertre­tung der Studieren­den auch auf Lan­desebene sicherzustellen. Wir appel­lieren an die Lan­desregierun­gen und die Bun­desregierung, diese Maß­nah­men im Sinne eines demokratis­chen, sozialen und chan­cen­gerecht­en Hochschul­sys­tems zeit­nah umzuset­zen. Studierende sind die zen­trale Sta­tus­gruppe der Hochschulen und müssen entsprechend umfassend an Entschei­dung­sprozessen beteiligt wer­den.

Mit fre­undlichen Grüßen

Die Lan­desAS­tenKon­ferenz Rhein­land-Pfalz

Koor­di­na­tion des Län­der­rat der Lan­desstudieren­den­vertre­tun­gen

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